Gestalte deine persönliche Lernumgebung

Deine persönliche Lernumgebung umfasst all deine Lernstrategien und Lernressourcen, die Bestandteil deines Lernprozesses sind. Zu den Lernressourcen zählen sowohl Personen als auch Medien und Infrastruktur, die von dir im Rahmen des Lernprozesses genutzt werden. Es spielt zunächst keine Rolle, ob die Ressourcen oder die Arbeit damit analog oder digital sind und ob es sich um einen beruflichen oder privaten Kontext handelt. Eine Auseinandersetzung mit deiner persönlichen Lernumgebung kann dich dabei unterstützen, Lernprozesse künftig ergiebiger zu gestalten.

Analyse der persönlichen Lernumgebung

Mache eine Aufstellung und Systematisierung deiner persönlichen Lernumgebung. Folgende Fragen können dir dabei helfen:

  • Welche Personen oder Netzwerke gehören zu deiner persönlichen Lernumgebung (analog oder digital, beruflich oder privat)?
  • Welche Medien gehören zu deiner persönlichen Lernumgebung (analog oder digital, beruflich oder privat)?
  • Welche Infrastruktur gehört zu deiner persönlichen Lernumgebung (analog oder digital, beruflich oder privat)?
  • Welche Verfahrensweisen gehören zu deiner persönlichen Lernumgebung (analog oder digital, zum Beispiel bezogen auf die Suche, Sammlung, Strukturierung, Bearbeitung, Analyse, Reflexion, Präsentation, Repräsentation und das Teilen sowie Vernetzen von Informationen)?

Welche Schlüsse ziehst du aus dieser Aufstellung?

Erweiterte Möglichkeiten durch digitale Technik und Verfahrensweisen

Wenige Menschen werden heute eine rein analoge oder digitale Lernumgebung haben. In der Regel handelt es sich um eine Mischung daraus: Ordner und Bücher werden ergänzt durch digitale Notizen und Unterlagen sowie Onlinenachschlagewerke. Zu Personen, mit denen man beruflich, privat oder in einer Weiterbildung lernt, kommen Menschen hinzu, denen wir uns in sozialen Netzwerken verbunden fühlen. Digitale Techniken und Verfahrensweisen verändern unser Lernen und erweitern die Möglichkeiten. Zwei Aspekte sind dabei zentral:

  • Verfügbarkeit und Vernetzung des Wissens: Statt die Notizen und Unterlagen immer dann nicht zur Hand zu haben, wenn man sie gerade bräuchte, ermöglicht die Digitalisierung der Lernumgebung, das Erlernte in fast grenzenlosem Umfang bei sich zu haben und so immer lernen zu können, ohne sich einschränken zu müssen. Zudem lassen sich einzelne Informationen und Dokumente digital auf einfache Weise miteinander vernetzen.
  • Austausch: Die persönliche Lernumgebung umfasst andere Personen, die man in den Lernprozess einbezieht. Digitale Technik ermöglicht es, Menschen in den Lernprozess zu integrieren, die analog nur schwer integriert werden könnten. So ist es heute ohne weiteres möglich mit anderen orts- und zeitunabhängig zusammenzuarbeiten und einen Austausch zu pflegen. Die Digitalisierung erlaubt es zudem, die eigene Arbeit auf unterschiedliche Weise sichtbar zu machen (Stichwort «working out loud»). Dadurch lässt sich das Beziehungsnetzwerk rund um die persönlichen Interessen weiter auf- und ausbauen. Lernen wird so von einem Prozess der Teilhabe an einer sozialen Gemeinschaft, die Lernprozesse ermöglicht, zu einem Prozess, der die Gemeinschaft von dem Gelernten wieder profitieren lässt.

Lernumgebung und Lernverständnis

Die Arbeit an deiner persönlichen Lernumgebung fördert dein selbstverantwortetes und selbstgesteuertes Lernen. Es geht im Kern darum, dass du die Struktur des Gelehrten in deine Struktur des Lernens überführst und damit für dich nachhaltig nutzbar machst. Hintergrund ist ein konstruktivistisches Lernverständnis, das Lernen als aktiven Prozess des Lernenden im Kontext des Vorwissens versteht (siehe dazu das Lernverständnis dieser Lernumgebung > www.lehren-und-lernen.ch/lernumgebung/). Damit geht ein verändertes Rollenbild der Lehrperson einher, die die Verantwortung für den Lernprozess den Lernenden überträgt und sie beim Lernen unterstützt.

Arbeit an der persönlichen Lernumgebung

Es gibt kein Patentrezept für die Gestaltung einer persönlichen Lernumgebung. Folgende Impulsfragen können dir aber bei der Ausgestaltung helfen:

  • Personen und Netzwerke: Welche Personen möchtest du künftig vermehrt bei deinen Lernprozessen berücksichtigen? Welche Netzwerke möchtest du zukünftig aktiver pflegen? Mit welchen Personen oder Netzwerken möchtest du dich zusätzlich vernetzen? Gibt es Personen oder Netzwerke, von denen oder aus denen du dich künftig zurückziehen möchtest. Überlege dir, wie du die Punkte konkret angehen möchtest und wer dich dabei unterstützen kann.
  • Medien: Welche Medien möchtest du künftig neu nutzen? Welche möchtest du künftig nicht mehr oder anders Nutzen? Wie möchtest du die Medien nutzen? Welche Medien möchtest du künftig erstellen?
  • Infrastruktur: Wie lässt sich die Infrastruktur so verändern, dass sie künftig deinen Lernprozess besser unterstützt?
  • Verfahrensweisen: Wie lassen sich die Verfahrensweisen wie die Suche, Sammlung, Strukturierung, Bearbeitung, Analyse, Reflexion, Präsentation, Repräsentation und das Teilen sowie Vernetzen von Informationen optimieren oder erweitern?

Überlege dir, wie du die Punkte konkret angehen möchtest und wer dich dabei unterstützen kann.

Vernetzung

Verschiedene Medien bieten dir unterschiedliche Möglichkeiten der Vernetzung. Wenn du deine Gedanken, dein Lernen und deine Erfahrungen im Netz teilen möchtest, unterstützt dich das Lernmodul von Bianca und Jörg «Im Netz publizieren» > www.lehren-und-lernen.ch/im-web-publizieren/ dabei. So können auch andere Teil deiner persönlichen Lernumgebung werden, die du bis anhin nicht kanntest. Und du ein Teil ihrer Lernumgebung.

Hinweis

In der Fachdebatte wird die persönliche Lernumgebung auch als «PLE» (engl. für «Personal Learning Environment») bezeichnet.

Literatur

  • Kollar, Ingo / Fischer, Frank: Digitale Lernmedien für die Unterstützung von Lehr-/ Lernprozessen in der Weiterbildung, in: Tippelt, Rudolf / von Hippel, Aiga (Hg.): Handbuch Erwachsenenbildung / Weiterbildung, Wiesbaden [6]2016, 1553-1568.
  • Schaffert, Sandra / Kalz, Marco: Persönliche Lernumgebung. Grundlagen, Möglichkeiten und Herausforderungen eines neuen Konzepts, in: Hohenstein, Andreas / Wilbers, Karl (Hg.): Handbuch E-Learning, Köln 2009.
  • Stepper, John: Working out loud. For a better career and life, New York 2015.
  • Wampfler, Philippe / Zimmermann, Tobias / Turkawa, Gregory: Personal Learning Environments als Ressource in Lehr-Lern-Settings, in: Haberzeth, Erik / Sgier, Irena (Hg.): Digitalisierung und Lernen. Gestaltungsperspektiven für das professionelle Handeln in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung, Bern 2019, 191-211.

Autor
David ist Studienleiter am Religionspädagogischen Institut RPI in Luzern und Leiter des Fachzentrums Katechese Schweiz. Er ist auf Twitter unter @WakefieldDavid erreichbar. Weitere Angaben zu David Wakefield sowie E-Mail- und Telefonangaben sind >> hier zu finden.

Copyright
CC BY-SA 4.0 David Wakefield | www.lehren-und-lernen.ch

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen