Die Ks in der Bildung

Digitalisierung bedeutet nichts weiter als Technikeinsatz – analoge Prozesse laufen nun digital ab. Das hat viele Vorteile: hohes Tempo in der Be- oder Verarbeitung, orts- und zeitunabhängiger Zugriff auf Dokumente, kollaboratives Bearbeiten und mehr. Aber ist es das, was zählt? Ist das das vielzitierte Neue, das in Lager von Befürworter und radikale Gegner aufspaltet?

Kultur der Digitalität

Fokus auf die Technisierung von analogen Prozessen ist zu kurz gedacht. Es ist auch häufig der Fokus, den Kritiker im Blick haben. Dabei ist Digitalisierung nur der technische sichtbare Teil der Digitalität.  Nicht umsonst wird von der “Kultur der Digitalität” (Buchtitel, Felix Stalder) gesprochen. Und Armin Nassehi deckt “Muster” in seinem gleichnamigen Werk auf, die deutlich machen, dass sich das Verständnis von Digitalität nicht einzig an technischer Entwicklung festmachen lässt, sondern dass dahinter das Prinzip der Mustererkennung und natürlich -verarbeitung steckt und somit Digitalisierung nur der logisch konsequente nächste Schritt der Entwicklung war.

Die Digitalität wird längst als Kultur gelebt – unsere Gesellschaft in all ihren Facetten ist ein Funktionssystem, das Informationen erzeugt, sammelt, verarbeitet, Muster erzeugt und diese auswertet. Egal ob Wirtschaft, Politik, Kultur oder Bildung – diese Entwicklung des Sammelns und Verarbeitens von Daten begann schon lange vor dem ersten Computer oder dem ersten Klick im world wide web. Jetzt allerdings mit den entsprechenden digitalen Möglichkeiten hat diese Entwicklung eine rasante Beschleunigung erfahren. 

Und diese Entwicklung lässt sich nicht stoppen – sehr anschaulich in folgender Animation verdeutlicht:

Visualizing Moore’s Law in Action (1971-2019) from Visual Capitalist on Vimeo.

Die Geschwindigkeit ist auch das, was meist kritisiert wird – die Geschwindigkeit der Arbeitsprozesse, der Veränderungen, der Kommunikation. Und damit sind wir bei einem der entscheidenden Ks in der Bildung. 

Die Ks in der Bildung

Kommunikation ist genau wie 

  • Kollaboration,
  • Kreativität,
  • kritisches Denken,
  • Kompetenzen,
  • Konstruktion,
  • Kontrolle (im Sinne von Feedback und formative assessment) und (um bei K zu bleiben der englische Begriff)
  • Knowledge ein Bestandteil von Bildung, der schon immer relevant war.

Diese Ks sind nichts Neues. Sie sind nichts Technisches. Und doch sind sie für eine dem 21. Jahrhundert entsprechende Bildung, eine den Bedingungen der Digitalität entsprechende Bildung entscheidend.

Sie sind nicht mehr das, was sie mal waren. Sie sind von größerer Bedeutung als früher. Die Ks prägen die Kultur der Digitalität, indem sie konsequent die technischen Möglichkeiten ausloten und weiterentwickeln. Sie zeigen, dass Werte des Zusammenarbeitens und -lebens, die schon immer wichtig waren auch weiterhin wichtig bleiben, sich aber verändern und an Erfordernisse und Entwicklungen anpassen.

Auswirkung auf die Lernenden

Vor dem Hintergrund des oben angeführten Beispiels, das die rasante technische Entwicklung zeigt, und der Kenntnisse über die gesellschaftlichen Bedingungen unter denen die Grundlagen für unser heutiges Bildungssystem geschaffen wurden, muss klar sein, dass heutige und zukünftige Generationen ihr Wissen nicht nur erwerben und abrufen, sondern mehr denn je damit arbeiten, es hinterfragen und weiterentwickeln müssen.

Egal ob Kommunikation, Kollaboration, Kreativität, Kritisches Denken, Knowledge, Konstruktion, Kompetenzen oder Kontrolle – nichts davon ist als einzelner Fakt und losgelöst von den anderen zu betrachten. 

Genau wie in Zeiten der digitalen Transformation Netzwerke eine immer stärkere Bedeutung erlangen und gerade für Lernprozesse eine ideale Struktur bilden, so sind auch Arbeitsbereiche und Arbeitsweisen immer weniger voneinander zu trennen – mit einer gravierenden Auswirkung auf Haltung und Einstellung. 

Das heutige Trendwort dazu: growth mindset. Haltung wird durch die Ks entscheidend geprägt und erfordert durch deren Veränderungen auch neue Sichtweisen, Einschätzungen und Bewertungen von Prozessen, Möglichkeiten und Entwicklungen.

Haltung darf nicht mehr überwiegend bewahrend sein, nicht auf Sicherung abzielen. Denn nur etwas erhalten, bedeutet auch immer Rückschritt. Was es wert ist zu bewahren, das muss auch an neue, veränderte Bedingungen angepasst werden. Damit brauchen wir Mut. Dieser Mut muss ein zentraler Aspekt der Haltung werden – Mut zur Veränderung, Mut zur Kreativität, Mut zum Risiko, Mut zu Fehlern, Mut zum Scheitern.

Auswirkung auf die Lehrenden

Lehrpersonen, die die Verantwortung für die Bildung der zukünftigen Generationen tragen, muss eine solche Haltung Grundlage ihres Arbeitens sein. Die Ks – Kommunikation, Kollaboration, Kreativität , kritisches Denken, Knowledge, Konstruktion, Kompetenzen oder Kontrollen – müssen Kern ihrer Tätigkeit und das Wissen über digitalen Einsatz dieser Kompetenzen Selbstverständlichkeit sein. Den Lernenden soll im Bildungsprozess nicht “beigebracht” werden, so zu arbeiten, sondern es soll ihnen vorgelebt werden. Lehrende müssen diesen Workflow selbst beherrschen, um ihn überzeugend und kritisch reflektiert den Lernenden zu demonstrieren. 

Und zum Schluss…

Für eine etwas anschaulichere Darstellung der Gedanken 😉 – hier die Adobe Spark Präsentation dazu: https://spark.adobe.com/page/QXJH24IEyNfkg/


Autorin
Ines Bieler ist Gymnasiallehrerin für Deutsch, Geschichte und Englisch. Zurzeit arbeitet Sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrer*innenbildung der MLU Halle-Wittenberg. Sie ist Mitbegründerin der @bildungspunks.

Copyright
CC BY-SA 4.0 Ines Bieler | www.lehren-und-lernen.ch


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